Wein dekantieren – mehr Aroma, mehr Genuss.

Ein Kellner dekantiert Rotwein in eine große Glaskaraffe, um den Wein zu belüften.

Lesezeit: 9 Minuten

Die Kunst, Wein zu genießen, geht weit über das bloße Einschenken und Trinken hinaus. Zwei wichtige Techniken, die den Geschmack und das Erlebnis eines Weins erheblich verbessern können, sind das Dekantieren und das Karaffieren. Oft werden beide Methoden als Synonyme verwendet. Lerne den feinen Unterschied kennen und wie du das Beste aus deinem Wein herausholst.

Unterschied zwischen Dekantieren und Karaffieren.

Weinprofis wissen: Dekantieren und Karaffieren sind zwei einfache Methoden, um Weine zu verbessern. Hinter dem Dekantieren und Karaffieren von Wein stecken physikalische und chemische Prozesse, die Einfluss auf den Geschmack, die Struktur und das Aroma des Weins haben. Unter Dekantieren versteht man im engeren Sinne das Abtrennen des Bodensatzes. Karaffieren meint vor allem die Belüftung des Weines mit Hilfe von Sauerstoff, um seine Aromen besser zur Entfaltung zu bringen.

Ein Mann im blauen Hemd hält eine Flasche Wein gegen das Licht, um die Qualität und Farbe des Weins zu überprüfen.

Was bedeutet dekantieren von Wein genau?

Dekantieren kommt vor allem bei älteren Rotweinen zum Einsatz. Während der Lagerung sammeln sich feine Partikel am Flaschenboden. Diese werden in der Weinsprache als Depot, Sedimente oder Bodensatz bezeichnet. Diese Partikel können beim Einschenken den Geschmack trüben und Fehltöne verursachen. Durch vorsichtiges Umfüllen in einen Dekanter – eine bauchige (Dekantier-)Karaffe aus Kristall oder Glas mit schmalem Hals – bleibt der Bodensatz in der Flasche zurück und nur der klare Wein fließt in die Karaffe und schließlich in das Weinglas.

Dekantieren ein chemischer Prozess.

Neben der Trennung des Depots kommt der Wein beim Dekantieren mit Sauerstoff in Kontakt – ein chemischer Prozess entsteht. Dadurch wird der Wein komplexer, unerwünschte Geschmacksnoten verflüchtigen sich, Tannine werden gemildert und Aromen freigesetzt. Der Wein verändert sich beim Dekantieren also nicht nur optisch.

Warum karaffiert man Wein?

Junge Rotweine, die noch nicht genügend Zeit hatten, sich zu entwickeln, profitieren besonders vom Karaffieren, da sich dadurch ihre fruchtigen und aromatischen Noten – das Bouquet - besser entfalten können. Karaffiert man Wein, wird er in eine Karaffe umgefüllt. Durch den Kontakt mit Sauerstoff werden Aromen freigesetzt und unangenehme Gerüche, die durch Schwefelverbindungen entstehen können, verflüchtigen sich – der Wein atmet. Der Bodensatz spielt bei dieser Methode keine Rolle.

Rotwein wird aus einer Karaffe in ein Weinglas gegossen, um den Wein zu dekantieren.

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Rotwein wird in eine breite Glaskaraffe dekantiert. Im Hintergrund stehen eine Weinflasche, ein Weinglas und ein Krug.

So unterscheiden sich Dekanter und Karaffe.

Zum Dekantieren von Wein wird in der Regel ein Dekanter verwendet. Im Gegensatz zu einer Karaffe hat dieser oft einen bauchigen Körper und einen schmalen Hals. Diese Form dient nicht primär dazu, den Bodensatz zu trennen, sondern hat einen anderen Zweck: Insbesondere ältere Rotweine, die dekantiert werden, sind empfindlich gegenüber Sauerstoff und sollten nur langsam damit in Kontakt kommen. Die bauchige Form und der schmale Hals eines Dekanters ermöglichen eine kontrollierte Belüftung. Karaffen hingegen sind eher für das Servieren gedacht und sollen den Wein schnell belüften. Oftmals reicht schon das bloße Umfüllen, um ihn lebendiger zu machen. Im Gegensatz zu Dekantern sind Karaffen meist schlanker geformt.

Welches Gefäß eignet sich zum karaffieren?

Zum Karaffieren von jungen Weinen eignet sich am besten eine Karaffe mit einer breiten Basis und einem schmalen Hals. Diese Form bietet eine größere Oberfläche, durch die der Wein mit mehr Sauerstoff in Kontakt kommt. Dieser erhöhte Luftkontakt fördert die Entfaltung der Aromen und die Milderung von Tanninen. Die breite Basis belüftet den Wein optimal. Der schmale Hals konzentriert die Aromen und schützt vor übermäßiger Oxidation. Ältere Rotweine werden in schmalen Karaffen serviert, um den Sauerstoffkontakt zu minimieren. Karaffen gibt es in verschiedenen Designs und Materialien, Glas ist jedoch am beliebtesten, da es geruchsneutral ist und keine Aromen abgibt. Wichtig ist, dass die Karaffe groß genug ist, um beim Umfüllen aus der Flasche die gesamte Menge Wein aufzunehmen und dabei genügend Raum für die Belüftung zu lassen.

Unser Tipp: Wähle eine Karaffe, die leicht zu reinigen ist, um Rückstände und Gerüche zu vermeiden.

Bei einem geselligen Essen im Freien wird Rotwein aus einer Karaffe in ein Glas gegossen.

Welche Weine profitieren vom Dekantieren?

Ob du einen Wein dekantieren solltest, hängt also von der Art des Weins, seinem Alter und deinem persönlichen Geschmack ab. Je älter ein Wein ist, desto eher besteht die Möglichkeit, dass sich in der Flasche ein Depot gebildet hat. Das ist oft bei älteren Rotweinen der Fall. Auch Weißweine können im Laufe der Zeit kleine Partikel am Flaschenboden, den sogenannten Weinstein, bilden. Von der Belüftung beim Dekantieren profitieren fast alle Weine – Weißweine, Rotweine aber auch Dessertweine. Je gereifter und komplexer ein Wein ist, desto eher lohnt sich das Dekantieren. Ältere Rotweine, die während ihrer Lagerung Tannine entwickelt haben, werden durch die Sauerstoffzufuhr milder und runder. Auch junge Rotweine und lagerfähige Weißweine können durch Dekantieren an Komplexität und Harmonie gewinnen. Geht es beim Weißwein lediglich um die Belüftung, reicht oft schon das Karaffieren.

Eine Person gießt Rotwein aus einer Flasche in eine breite Glaskaraffe, um den Wein zu dekantieren.

Diese Weine eignen sich zum Dekantieren.

  • Rotweine wie Barolo, Barbaresco, Bordeaux, Burgunder, Cabernet Sauvignon, Primitivo, Pinot Noir, Merlot oder Syrah.
  • Weißweine wie Chardonnay, Riesling, Sauvignon Blanc oder alle (im Holzfass) gereiften Weißweine
  • Dessertweine wie Portwein oder Sherry

Diese Weine brauchen nicht dekantiert werden.

  • Junge, frische Weißweine wie Vinho Verde oder Pinot Grigio
  • Roséweine


Vorsicht bei Schaumweinen!
Hier hat das Dekantieren sogar einen negativen Effekt. Durch das Umfüllen entweicht die Kohlensäure und der Reiz des Getränks geht verloren.

Nahaufnahme eines Weinglases mit blassrosa Wein.

Wie lange sollte Wein dekantiert werden?

Wie lange du Wein dekantierst, hängt von den individuellen Eigenschaften des Weines ab.

Folgende Richtwerte kannst du dir merken:

  • Für junge Rotweine sind 15 bis 30 Minuten optimal.
  • Gereifte Rotweine brauchen etwas länger, mindestens 30 Minuten und bis zu einer Stunde.
  • Weißweine benötigen die kürzeste Zeit, etwa 10 bis 15 Minuten.
  • Dessertweine und Portweine kannst du etwa 15 bis 30 Minuten dekantieren.

Möchtest du einen sehr alten Wein genießen, dann mach die Flasche eventuell erst kurz vorm Trinken des Weins auf und gieß diesen vorsichtig direkt ins Glas – und zwar ohne zu dekantieren, auch wenn Bodensatz vorhanden ist. Im Glas entfaltet der Wein dann seine Tertiäraromatik und möglicherweise noch ein leicht fruchtiges Aroma.

Wie funktioniert dekantieren: Beispiel und Ablauf.

Der perfekte Wein verdient die perfekte Vorbereitung. Beim Dekantieren geht es nicht nur darum, den Wein von abgesetzten Partikeln (Depot) zu trennen, sondern auch um den Geschmack. Folgende Anleitung hilft dir, deinen Wein optimal zu dekantieren und zu genießen.  

Ein Paar öffnet während des gemeinsamen Kochens lachend eine Flasche Rotwein.
Eine Person gießt Rotwein aus einer Flasche in eine elegante Glaskaraffe, um den Wein zu dekantieren.

1. Wein vorbereiten.

Hole den Wein einige Stunden vor dem Trinken aus dem Kühlschrank oder dem Keller und bringe ihn auf Zimmertemperatur. So haben die Aromen genügend Zeit, sich optimal zu entfalten. Wähle einen Dekanter, der groß genug ist, damit der Wein ausreichend Luftkontakt hat. Wähle zum Dekantieren einen hellen Ort, das ist wichtig, um den folgenden Schritt gut auszuführen.

2. Wein öffnen und dekantieren.

Öffne die Weinflasche vorsichtig mit dem Korkenzieher oder entferne den Schraubverschluss, um ein Aufwirbeln des Depots zu vermeiden. Gieße den Wein langsam in einen Dekanter. Dabei solltest du die Flasche gegen eine Lichtquelle halten, um den Bodensatz zu beobachten. Sobald das Depot den unteren Flaschenhals erreicht hat, stoppe das Eingießen. Fülle die Dekantierkaraffe nicht bis zum Rand, sondern lasse etwas Luft im Inneren, damit der Wein atmen kann.

Eine stilvolle Anordnung einer mit Rotwein gefüllten Glaskaraffe, einem Martini-Glas mit Oliven und leeren Gläsern.
Eine Person in einem blauen Hemd gießt im Freien etwas Rotwein aus einer modernen, runden Dekantierkaraffe.

3. Zeiten beachten.

Die optimale Dekantierzeit ist je nach Weinsorte eine andere. Minimum 15 bis 30 Minuten sind als Zeitraum zur Orientierung allerdings empfehlenswert. Willst du einen schweren und noch in der Flasche verschlossenen Wein genießen, sind auch einige Stunden des Dekantierens möglich. Bewahre ihn aber nicht mehr als 18 Stunden im Dekanter auf.

4. Wein auf die richtige Temperatur bringen und servieren.

Jetzt kannst du den Wein servieren. Achte auf die optimale Trinktemperatur von Rotweinen und Weißweinen. Wenn nötig, stelle den Dekanter vor dem Servieren nochmals in den Kühlschrank.

Unser Tipp: Spüle die Weinflasche nach dem Dekantieren gründlich aus, um das Depot zu entfernen. Gieße den dekantierten Wein von der Karaffe wieder zurück in die Flasche. In der Fachsprache nennt man diesen Vorgang „doppeltes Dekantieren“. Stelle die Flasche bis zum Servieren in den Kühlschrank, in den Eisbehälter oder an einen wärmeren Ort – je nachdem, was dein Wein jetzt braucht.

So dekantierst du Wein ohne Dekanter.

Um Wein zu dekantieren, brauchst du nicht unbedingt einen Dekanter. Du kannst den Wein auch von einer Flasche in eine andere umfüllen. Am besten eignet sich dafür eine saubere Flasche mit einer großen Öffnung am Flaschenhals. Aber auch Karaffen oder Trinkflaschen aus Glas oder Ton eignen sich zum Dekantieren. Wichtig ist, dass beim Umfüllen in das neue Gefäß, die Rückstände (das Depot) des Weins in der ursprünglichen Flasche verbleiben. Gelingt dies beim ersten Versuch nicht, wiederhole den Vorgang, bis der Bodensatz vollständig zurückgeblieben ist. Auch ein feinmaschiges Sieb oder ein Kaffeefilter haben sich bewährt, um den Bodensatz aufzufangen. Damit der Wein zusätzlich noch atmen kann, verwende ein Gefäß mit breitem Bauch. So gelingt das Dekantieren auch ohne spezielles Equipment.

Eine Person in einem blauen Hemd trägt ein Holztablett mit einer Glaskaraffe voll Weißwein und zwei Weingläsern.

Dekantieren im Alltag und bei Degustationen.

Sowohl im Alltag als auch bei besonderen Anlässen kann Dekantieren den Weingenuss deutlich verbessern. Mit ein wenig Übung gehörst du schnell zu den Weinprofis – und das Dekantieren wird zu einem einfachen Ritual, das jeden Weinmoment zu etwas Besonderem macht.

Und auch bei einer Degustation – also einer Weinverkostung – hilft das Dekantieren, die Aromen schneller zu entfalten und eventuelle Ablagerungen zu entfernen. So kannst du das Bouquet optimal beurteilen, achte also bei einer Weinprobe immer darauf.

Bedenke bei einer Weindegustation – egal ob zuhause oder in einem Weinlokal – auch Folgendes:

  1. Verkoste Wein nicht, wenn du hungrig bist, denn dann ist dein Geschmackssinn weniger präzise.
  2. Wähle Weine mit gemeinsamen Eigenschaften, um leichter Vergleiche ziehen zu können.
  3. Probiere Weißweine vor Rotweinen, trockene Weine vor lieblichen Weinen und leichte vor schweren.
  4. Achte auf die richtige Trinktemperatur. Die Temperatur von Rotwein sollte beispielsweise 18 Grad Celsius nicht überschreiten.
  5. Welches Weinglas für welchen Wein gewählt wird, sollte ebenfalls nicht dem Zufall überlassen werden.
  6. Stelle zu guter Letzt noch stilles Wasser und einfaches Weißbrot zum Neutralisieren bereit.

Häufige Fragen zum Dekantieren und Karaffieren.

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