Superfoods: Marketing-Hype oder Nährstoffwunder?

Verschiedene offene Weckgläser mit Leinsamen, Quinoa, Chiasamen und anderen Superfoods

Lesezeit: 10 min  

Woher kommt der Begriff?

Der Begriff „Superfood“ ist in den letzten Jahren immer stärker in den Fokus gerückt und begegnet uns heute fast übera1 ll, wenn es um Ernährung geht. Gerstengras, Spirulina, Gojibeeren, Chiasamen oder Quinoa tauchen dabei regelmäßig auf und werden oft als besonders nährstoffreich beworben, auch wenn diese Wirkungen nicht immer ausreichend wissenschaftlich belegt sind.¹  

Was ist Superfood?

Als „Superfoods“ werden meist Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte, Getreide oder Samen bezeichnet, die häufig aus Regionen außerhalb Europas stammen. In der Regel handelt es sich um pflanzliche Lebensmittel, denen ein besonders hoher Gehalt an Mikronährstoffen wie Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen sowie Ballaststoffen zugeschrieben wird. Sie enthalten teilweise Antioxidantien und bestimmte Fette wie Omega-3-Fettsäuren, die eine ernährungsphysiologische Bedeutung haben können.  

Gut zu wissen: Diese Nährstoffe, Vitamine und Mineralstoffe kommen auch in heimischen Lebensmitteln vor. Als „Superfood“ bezeichnete Produkte sind letztendlich also normale Lebensmittel.

Der Ausdruck ist übrigens kein geschützter wissenschaftlicher Begriff, sondern wird überwiegend im Marketing eingesetzt, um besonders nährstoffreiche Lebensmittel hervorzuheben. Ende 2024 wurde die Bezeichnung als sogenannter Health Claim eingestuft.² Das bedeutet, dass bestimmten Lebensmitteln Wirkungen zugeschrieben werden, die jedoch häufig noch nicht abschließend wissenschaftlich belegt sind.¹  

Schüssel mit verschiedenen Beeren, Chiasamen und Getreide wird von einer Frau in den Händen gehalten
Draufsicht: Frau hält Teller mit Avocadotoast, Blaubeeren, Tomaten und Eiern in den Händen

Marketinghype: Warum Superfoods ganz normale Lebensmittel sind.

Was macht ein Lebensmittel eigentlich zum „Superfood“? Häufig wird ein Produkt allein durch die Bezeichnung zum Superfood. Rechtlich gelten jedoch die gleichen Vorgaben wie für alle anderen Lebensmittel: Auf Verpackungen dürfen nur zugelassene Angaben stehen, konkrete Versprechen sind nicht erlaubt. Das bedeutet auch, dass mögliche Wirkungen wissenschaftlich belegt sein müssen. In Deutschland prüft das Bundesamt für Verbraucherschutz (BVL) und Lebensmittelsicherheit entsprechende Angaben auf ihre Gültigkeit.

Das Beispiel Chiasamen zeigt, wie sich das in der Praxis darstellt: Sie werden oft so bezeichnet, auch wenn auf der Verpackung aktuell keine entsprechenden Aussagen gemacht werden dürfen. Unabhängig davon, welche Inhaltsstoffe und pflanzliche Proteine  sie enthalten, bleiben sie damit rechtlich ein gewöhnliches Nahrungsmittel.  

Mit anderen Worten: Auch als Superfoods bezeichnete Lebensmittel sind im rechtlichen Sinne ganz normale Lebensmittel, trotz ihres vermeintlichen Nährstoffgehalts. Der Unterschied liegt häufig eher in der Wahrnehmung. Produkte wie Brot, Brötchen, Kartoffelsalat mit Würstchen oder Pizza gelten im Alltag vieler Menschen als vertraut, während sogenannte Superfoods oft als ungewöhnlicher oder seltener wahrgenommen werden.  

10 bekannte exotische Lebensmittel, die als Superfoods bezeichnet werden.

Lebensmittel werden als Superfoods bezeichnet, wenn ihnen ein besonders hohes Nährstoffprofil zugeschrieben wird. Dazu zählen unter anderem ein hoher Anteil an sekundären Pflanzenstoffen, Mikronährstoffen, Antioxidantien sowie Vitaminen und Mineralstoffen. Die folgende Auswahl zeigt zehn bekannte Beispiele, die häufig in diesem Zusammenhang genannt werden:

Lebensmittel

Nährstoffprofil

Besonderheit

Gerstengras

Enthält Chlorophyll sowie Vitamin C, B-Vitamine und Eisen

Wird häufig als Pulver verwendet, zum Beispiel in Smoothies.

Moringa

Hoher Gehalt an Vitamin A, E und Kalium

Stammt ursprünglich aus dem Himalaya-Raum. Die Blätter werden frisch oder getrocknet, und oft als Pulver in Smoothies, Suppen oder Salaten eingesetzt.

Spirulina

Enthält viel Protein sowie Eisen und Phycocyanin

Mikroalge und eine der ältesten bekannten Lebensformen. Meist als Pulver oder in Tablettenform erhältlich.  

Açai

Liefert Anthocyane, Vitamin C und Fettsäuren

Steinfrucht aus dem Amazonasgebiet. Aufgrund ihrer Empfindlichkeit meist als gefrorenes Püree oder Pulver erhältlich, zum Beispiel für Bowls.    

Maca-Wurzel

Enthält Zink, Eisen und Magnesium sowie sekundäre Pflanzenstoffe

Wird meist getrocknet und als Pulver angeboten. Geschmacklich oft mit Nüssen verglichen.

Kakao

Enthält Magnesium, Eisen und Flavanole

Gemeint ist unverarbeiteter Rohkakao mit geringem Zuckeranteil im Vergleich zu stark verarbeiteten Produkten.  

Avocado

Reich an ungesättigten Fettsäuren und Ballaststoffen

Wird häufig wegen ihrer Kombination aus Fettgehalt und vielseitiger Verwendung geschätzt.    

Chiasamen

Hoher Gehalt an Ballaststoffen und pflanzlichen Proteinen

Stammt ursprünglich aus Mexiko und wird häufig in Puddings, Müslis, Smoothies oder Gebäck verwendet.

Goji-Beere

Enthält Vitamin C sowie weitere Mikronährstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe

Kommt ursprünglich aus Asien und wird meist getrocknet angeboten.  

Quinoa

Liefert Eisen und pflanzliche Proteine

Pflanze aus Südamerika, deren Samen ähnlich wie Getreide verwendet werden.  

Heimische Alternativen zu den Exoten.

Ein Blick auf heimische Lebensmittel zeigt, dass Lebensmittel mit einem hohen Nährstoffgehalt nicht zwangsläufig aus fernen Regionen stammen müssen. Auch viele regionale Produkte liefern Vitamine, Mineralstoffe und Proteine. Ihr Vorteil: Sie werden häufig frisch verwendet, während importierte Alternativen meist verarbeitet angeboten werden, etwa getrocknet, als Pulver, in Kapseln, im Müsli oder als Getränk. Dabei kann die Verarbeitung beeinflussen, welche Nährstoffe tatsächlich noch im Produkt enthalten sind.

Zudem sind heimische Alternativen in vielen Fällen leichter verfügbar und können preislich variieren, während exotische Produkte häufig längere Transportwege hinter sich haben und aus Regionen wie Süd- und Mittelamerika oder Asien stammen.

Heidelbeeren auf einem Holzlöffel und in einer Holzschale auf einem grauen Holztisch

Diese sogenannten Superfoods...

...können gut durch diese heimischen Lebensmittel ersetzt werden.

Chiasamen

Leinsamen

Avocado

Walnuss

Gojibeere

Schwarze Johannisbeere

Quinoa

Hirse

Açai-Beere

Heidelbeere

Quelle: BVL, Superfoods-Postkarte: Heimische Alternativen zu sogenannten Superfoods

Person hält Grünkohl in den Händen

Grünkohl als das heimische Kraftpaket.

Ein beliebtes heimisches Gemüse, das häufig als Superfood bezeichnet wird, ist Grünkohl. Auch hier sollte man beachten, dass der Begriff eine Marketingformulierung ist. Fakt ist: Wie andere Kohlsorten und grünes Gemüse wie Brokkoli oder Rucola enthält er verschiedene Nährstoffe. Dazu zählen unter anderem die Vitamine A, C, K und B2. Auch Mineralstoffe wie Calcium, Magnesium und Kalium sind enthalten.

Mit seinem Ballaststoffgehalt wird Grünkohl oft mit einer abwechslungsreichen Ernährung in Verbindung gebracht und ist besonders in den Wintermonaten ein fester Bestandteil vieler Gerichte.

Heimische Beeren als Nährstoff-Favoriten.

Neben exotischen Optionen wie Açai-Beeren werden oft auch Blaubeeren und Heidelbeeren hervorgehoben. Sie enthalten unter anderem Anthocyane. Die natürlichen Farbstoffe zählen zu den sekundären Pflanzenstoffen und kommen in blauen, roten oder violetten Obst- und Gemüsesorten vor. Einige weitere heimische Beeren und Früchte weisen daher vergleichbare oder teilweise höhere Gehalte an diesen Farbstoffen auf. Dazu zählen Brombeeren, Holunderbeeren, schwarze Johannisbeeren, Kirschen sowie blaue Trauben. Auch Gemüse wie Rote Bete und Rotkohl wird in diesem Zusammenhang aufgeführt.

Haferflocken, Buchweizen und Flohsamenschalen.

Auch im Bereich heimischer Getreide und getreideähnlicher Produkte finden sich Lebensmittel, die häufig so bezeichnet werden. Ein Beispiel ist Buchweizen. Das glutenfreie Pseudogetreide wird oft für sein Aminosäureprofil hervorgehoben und dient als vielseitige Grundlage in der Küche.

Als Ballaststoffquelle kommen zudem Flohsamenschalen infrage. Flohsamenschalen werden aufgrund ihrer besonderen Ballaststoffeigenschaften häufig als nährstoffreiches Lebensmittel geschätzt. Auch klassische Getreideprodukte wie Haferflocken stehen dabei im Fokus. Sie enthalten unter anderem Beta-Glucane sowie komplexe Kohlenhydrate.

Die Beispiele zeigen, dass Lebensmittel mit hoher Nährstoffdichte auch ohne lange Transportwege verfügbar sind und fest in den Speisealltag integriert werden können.

Zwei Schalen mit Haferflocken auf Holztisch, daneben Holzlöffe

Unsere Rezeptauswahl.  

Overnight Oats mit Beeren und einem Hauch von Honig

Zum Rezept

Baked Oats

Zum Rezept

Grünkohl-Smoothie

Zum Rezept

Selbstgemachte Protein-Schokoriegel

Zum Rezept
Frau am Küchentisch mit Müsliglas in der Hand

Integration in die tägliche Ernährung.  

Als Superfoods bezeichnete Lebensmittel lassen sich ohne großen Aufwand in den Alltag einbauen und in verschiedene Mahlzeiten integrieren. Im Mittelpunkt steht dabei die Kombination verschiedener Nährstoffe.  

  • Frühstück: Zum Start in den Tag kannst du beispielsweise Haferflocken oder Joghurt mit Zutaten wie Chiasamen oder Leinsamen ergänzen. Auch frische Heidelbeeren oder etwas Gerstengras-Pulver im Smoothie lassen sich einfach integrieren.  
  • Mittagessen: Salate oder Bowls bieten sich als Grundlage an und können mit Quinoa oder Buchweizen kombiniert werden. Ergänzend passen zum Beispiel Hanfsamen oder ein Dressing mit Avocadoöl.  
  • Abendessen: Gemüse wie Grünkohl oder Brokkoli kannst du als Beilage verwenden. Auch Suppen und Eintöpfe lassen sich vielseitig ergänzen, etwa durch Gewürze wie Kurkuma.

Worauf man bei der Verwendung achten sollte.

Gegen den Verzehr von als Superfoods bezeichneten Lebensmitteln in Form von Früchten und Samen ist grundsätzlich nichts einzuwenden – egal ob frisch, getrocknet oder als Püree. Dennoch können insbesondere exotische Lebensmittel Überempfindlichkeitsreaktionen oder Allergien auslösen. Auch sogenannte Kreuzallergien sind möglich.

Besondere Aufmerksamkeit gilt stark verarbeiteten oder hochkonzentrierten Produkten. Sie können unter Umständen unerwünschte Stoffe enthalten.² Orientierung bieten Informationsangebote wie das Allergie-Infoportal ECARF, auch wenn dort nicht alle neueren oder weniger verbreiteten Produkte erfasst sind.

Ein weiterer Punkt ist die tatsächliche Verzehrmenge. Nährwertangaben beziehen sich häufig auf 100 Gramm, werden in der Praxis jedoch oft in deutlich kleineren Mengen konsumiert. Ein Beispiel: Der hohe Eiweißgehalt von Spirulina wirkt auf den ersten Blick auffällig, relativiert sich jedoch bei üblichen Portionsgrößen, die eher gering ausfallen.²  

Frau trinkt grünen Smoothie

Fazit: Vor- und Nachteile von sogenannten „Superfoods“.

Als Superfoods bezeichnete Lebensmittel werden häufig mit einem hohen Gehalt an Mikronährstoffen, Ballaststoffen und pflanzlichen Proteinen in Verbindung gebracht und können Teil einer abwechslungsreichen Ernährung sein – was wissenschaftlich aber nicht belegt ist. Die Bezeichnung ist reines Marketing.

Es sind keine Allheilmittel, sondern Lebensmittel, die einen Beitrag zu einer nährstoffreichen und ausgewogenen Ernährung leisten können. Auch ein klarer Vorteil gegenüber einer Vielzahl heimischer Obst- und Gemüsesorten lässt sich nicht ableiten. Hinzu kommt, dass exotische Produkte teilweise belastet sein können und im Vergleich oft höhere Preise aufweisen.  

Fest steht: Heimische Alternativen wie Leinsamen, Blaubeeren oder Grünkohl können eine vergleichbare Rolle spielen. Eine ausgewogene Zusammenstellung verschiedener Lebensmittel bleibt dabei entscheidend.

Häufige Fragen zu Superfoods.  

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Fußnoten

¹  Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit
https://www.bvl.bund.de/DE/Service/01_Infothek/07_themen/superfoods/superfoods_node.html

²  Verbraucherzentrale
https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/nahrungsergaenzungsmittel/superfood-hype-um-fruechte-und-samen-12292

³  Harvard T.H. Chan, School of Public Health, The Nutrition Source
https://nutritionsource.hsph.harvard.edu/superfoods/