Nährwerte verstehen: Nährwerttabelle richtig lesen.
Lesezeit: 10 Minuten
Definition: Nährwerte in Nährwerttabellen.
Nährwerte und Nährwerttabellen sowie der Nutri-Score können Orientierung bei der Lebensmittelauswahl geben. Hier erfährst du, welche Angaben auf Lebensmitteln verpflichtend sind und welche nicht. Wir zeigen zudem, wie Nährwerte ermittelt werden und welche Rolle sie bei der Einordnung von Lebensmitteln spielen.
Was sind Nährwerte?
Nährwerte geben den physiologischen Wert eines Lebensmittels an. Sie beschreiben, wie viel Energie und welche Nährstoffe, z. B. Eiweiß, Kohlenhydrate oder Fett, ein Lebensmittel in einer bestimmten Menge liefert. Diese Informationen dienen dazu, Angaben zur Energie- und Nährstoffmenge nachvollziehbar zu machen. Seit 2016 ist die Nährwertdeklaration auf fast allen verpackten Lebensmitteln nach der EU-weiten Lebensmittelinformationsordnung (LMIV) verpflichtend.¹
Wie werden Nährwerte auf Lebensmitteln abgebildet?
Nährwerte sind in der Regel in Form einer Tabelle auf der Verpackung von Lebensmitteln angegeben. Seit 2020 ist es in Deutschland zudem möglich, freiwillig den Nutri-Score abzubilden. Diese Kennzeichnung vergleicht die Nährwerte von Lebensmitteln aus einer Produktkategorie, also etwa zwischen Früchtemüsli und Schokomüsli. Anhand einer farbigen Buchstaben-Skala erkennst du, welches der beiden Produkte ernährungsphysiologisch besser oder schlechter abschneidet.
Nährwerttabelle: Diese Angaben müssen enthalten sein.
Nährwerttabellen können unterschiedlich aussehen. Allen gemeinsam sind die Reihenfolge der Nährstoffe und die Angabe pro 100 g bzw. 100 ml. Diese einheitliche Angabe erleichtert Verbraucher:innen den Vergleich von Produkten. Laut LMIV müssen folgende Nährwerte auf verpackten Lebensmitteln abgebildet sein:
- Portionsgröße in Gramm oder Millilitern
- Kalorien (Energiegehalt) in Kilokalorien (kcal) und Kilojoule (kJ)
- Makronährstoffe: Fett, davon gesättigte Fettsäuren, Kohlenhydrate, davon Zucker und Proteine
- Salz
Bei den Nährstoffen handelt es sich um die sogenannten Big 7. Optional kann die Nährwerttabelle um weitere Angaben wie Ballaststoffe, Vitamine, oder Mineralstoffe ergänzt werden. Manchmal werden auch Portionsempfehlungen angegeben, um den tatsächlichen Verzehr besser einschätzen zu können.
Die Bedeutung der Nährstoffe in der Nährwerttabelle.
Es gibt sieben zentrale Nährstoffe, auch Big 7 genannt, die in jeder Nährwerttabelle aufgeführt sein müssen. Diese Nährstoffe bieten grundlegende Informationen über den ernährungsphysiologischen Wert eines Lebensmittels und helfen dabei, eine ausgewogene Ernährung zu planen.
- Energie (Kalorien): Die Energiemenge, die ein Lebensmittel liefert, wird in Kilokalorien (kcal) und Kilojoule (kJ) angegeben. Kalorien sind entscheidend, um den täglichen Energiebedarf zu decken und den Körper mit der nötigen Energie für verschiedene Aktivitäten zu versorgen.
- Fett ist eine wichtige Energiequelle und spielt eine Rolle bei der Aufnahme fettlöslicher Vitamine (A, D, E, K). In der Tabelle wird zwischen Gesamtfett und gesättigten Fettsäuren unterschieden.
- Gesättigte Fettsäuren sind besonders hervorzuheben, da sie in der Tabelle separat aufgeführt werden. Diese Angabe ermöglicht es, den Anteil gesättigter Fettsäuren in der Ernährung zu überblicken.
- Kohlenhydrate sind eine schnell verfügbare Energiequelle für den Körper.² In der Nährwerttabelle werden oft Gesamt-Kohlenhydrate und Zucker getrennt aufgeführt.
- Zucker umfasst die Summe aller Monosaccharide (Einfachzucker, z. B. Glukose oder Fruktose) und Disaccharide (Zweifachzucker, z. B. Saccharose (Haushaltszucker) und Laktose (Milchzucker)). Die Angabe berücksichtigt sowohl Zucker, der natürlicherweise in bestimmten Lebensmittelzutaten enthalten ist, als auch Zucker, der als Zutat zugesetzt wurde.³
- Eiweiß (Proteine) liefern das Baumaterial für u. a. Muskeln, Haut und Knochen. Außerdem unterstützen sie das Immunsystem.²
- Salz (Natrium) spielt eine Rolle im Flüssigkeitshaushalt und der Funktion von Nerven und Muskeln.²
Nicht für alle Lebensmittel müssen Nährwerte angegeben werden.
Einige Lebensmittel sind von der Nährwertdeklaration ausgenommen. Dazu gehören:
- unverarbeitete Lebensmittel wie frisches Obst und Gemüse
- Lebensmittel mit einer Verpackung, deren größte Oberfläche weniger als 25 cm² beträgt
- Lebensmittel, die direkt an die Verbraucher:innen verkauft werden (z. B. in Bäckereien oder Metzgereien)
- alkoholische Getränke, wie Bier, Wein oder Spirituosen mit einem Alkoholgehalt von mehr als 1,2 Volumenprozent
Für Wein und weinhaltige Getränke, die innerhalb der EU verkauft werden, gilt seit Dezember 2023 eine Erweiterung: Zusätzlich zu den bisherigen verpflichtenden Angaben zu Alkoholgehalt, Herkunft und Allergenen müssen für alle Weinjahrgänge ab 2024 alle Zutaten und Zusatzstoffe angegeben werden, die für die Herstellung des Weins verwendet wurden. Auch der Brennwert (Kalorien) muss nun auf dem Etikett stehen. Die Angabe weiterer Nährwerte wie Fett, gesättigte Fettsäuren, Kohlenhydrate, Eiweiß und Salz ist optional, es sei denn, sie machen einen signifikanten Anteil des Weins aus.
Spezialregeln für Mineralwasser und Nahrungsergänzungsmittel.
Für Nahrungsergänzungsmittel und natürliches Mineralwasser gelten ebenfalls spezifische Regelungen zur Nährwertkennzeichnung. Bei Nahrungsergänzungsmitteln müssen nur die Mengen der enthaltenen Nährstoffe, wie Vitamin C oder Zink, sowie andere Bestandteile des Produkts in Bezug auf die empfohlene tägliche Verzehrmenge deklariert werden. Angaben zu Fett, Zucker oder Kalorien sind hier nicht erforderlich.
Bei Wasser ist es etwas komplizierter: Aus den Angaben auf dem Etikett muss klar hervorgehen, ob es sich um natürliches Mineralwasser, Heilwasser, Quellwasser oder Tafelwasser handelt, weil die gesetzlichen Anforderungen je nach Wasserart unterschiedlich sind. Natürliches Mineralwasser und Heilwasser, die direkt aus der Quelle stammen und vor Ort abgefüllt werden, enthalten je nach Bodenbeschaffenheit einen individuellen Mix aus Mineralstoffen und Spurenelementen. Diese Nährstoffe und ihr Gehalt pro Liter Wasser müssen in Form eines sogenannten Analysenauszugs auf dem Etikett angegeben sein. Dabei handelt es sich meist um Natrium, Kalium, Calcium, Magnesium, Fluorid, Chlorid, Sulfat und Bicarbonat/Hydrogencarbonat.
Nährwerte von Lebensmitteln im Überblick.
Sicher hast du dich schon einmal gefragt: Welche Nährwerte haben eigentlich ein Ei, eine Banane, eine Avocado oder Kartoffeln? Denn diese Lebensmittel sind von der Nährwertdeklaration ausgenommen. In diesem Fall kannst du einen Nährwertrechner zurate ziehen. Solche Rechner geben einen guten Überblick, da sie auf große Datenbanken zurückgreifen.⁴
Wir haben einige Lebensmittel ausgewählt und anhand des Nährwertrechners berechnet.⁴
Lebensmittel | Nährwerte pro 100 g |
|---|---|
| Hühnerei/Voll-Ei | 154 kcal, 11 g Fett, 13 g Eiweiß, 1 g Kohlenhydrate, 0 g Ballaststoffe |
| Avocado, roh | 130 kcal, 13 g Fett, 1 g Eiweiß, 4 g Kohlenhydrate, 4 g Ballaststoffe |
| Banane, frisch | 95 kcal, 0,18 g Fett, 1 g Eiweiß, 21 g Kohlenhydrate, 2 g Ballaststoffe |
| Kartoffeln, gegart | 70 kcal, 0,01 g Fett, 2 g Eiweiß, 15 g Kohlenhydrate, 1 g Ballaststoffe |
| Haferflocken | 354 kcal, 7 g Fett, 13 g Eiweiß, 60 g Kohlenhydrate, 10 g Ballaststoffe |
| Skyr | 63 kcal, 1 g Fett, 10 g Eiweiß, 4 g Kohlenhydrate, 1 g Ballaststoffe |
Quelle: https://www.naehrwertrechner.de/
So berechnen Hersteller Nährwerte.
Nährwertangaben sind immer Durchschnittswerte. Die Hersteller haben mehrere Möglichkeiten, die Nährwerte ihrer Produkte zu ermitteln. Entweder führen sie eigene Laboranalysen durch, um den Nährstoffgehalt genau zu berechnen, ziehen bekannte oder tatsächliche durchschnittliche Werte heran oder nutzen anerkannte Datenbanken. Die erste Methode ist die genaueste, auch wenn die Nährwerte von Lebensmitteln je nach Saison, Anbaumethoden und weiteren Faktoren variieren können.
Brennwert erklärt: Was bedeuten kcal und kJ?
Oft wird im Zusammenhang mit Nährwerten auch über Brennwerte gesprochen. Dieser Wert zeigt an, wie viel Energie der Körper aus einem Lebensmittel gewinnen kann. Denn unser Körper braucht ständig Energie, zum Beispiel für die Atmung, Verdauung und den Herzschlag. Diese Energie holt er sich aus der Nahrung, genauer gesagt aus den Makronährstoffen Fett, Kohlenhydrate und Eiweiß. Wie hoch der Brennwert, also der Energiegehalt eines Lebensmittels ist, wird in Kilokalorien (kcal) beziehungsweise Kilojoule (kJ) angegeben. Manche Lebensmittel liefern viel Energie, haben also mehr Kilokalorien, manche weniger. Auf vielen Verpackungen findest du eine Nährwert-Tonne, die dir zeigt, wie hoch der Brennwert pro Portion ist. Außerdem siehst du, wie viel Prozent des täglichen Energiebedarfs eine Portion deckt, basierend auf dem Bedarf eines durchschnittlich großen und aktiven Erwachsenen.
Wie viele Nährwerte pro Tag sollte man zu sich nehmen?
Wie viel Energie und wie viele Nährstoffe wir pro Tag brauchen, hängt von verschiedenen Faktoren ab, zum Beispiel vom Alter, vom Geschlecht und davon, wie viel wir uns bewegen. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE)⁵ liegt der Referenzwert für die tägliche Energiezufuhr für Frauen zwischen 25 und 50 Jahren bei etwa 2100 kcal und für Männer zwischen 25 und 50 Jahren bei etwa 2600 kcal. Für Schwangere und Stillende weist die DGE abweichende Referenzwerte aus. Sie dienen lediglich als Orientierung und können je nach individuellen Bedürfnissen abweichen.⁵
Richtwerte für die durchschnittliche Energiezufuhr der DGE.
Alter | kcal pro Tag (Frauen und Männer) |
|---|---|
| Kinder 1–6 Jahre | 1200–1800 |
| Kinder 7–12 Jahre | 1500–2400 |
| Jugendliche 13–14 Jahre | 1900–2900 |
| Jugendliche 15–18 Jahre | 2000–3400 |
| Erwachsene 19–24 Jahre | 1900–3100 |
| Erwachsene 25–50 Jahre | 1800–3000 |
| Erwachsene 51+ | 1700–2800 |
Quelle: DGE, Richtwert für die Energiezufuhr für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, Stand 2015
Rezepte für eine abwechslungsreiche Ernährung.
Checkliste: Darauf solltest du beim Einkaufen achten.
100-g- bzw. 100-ml-Werte vergleichen: Lass dich nicht von den Angaben pro Portion täuschen. Nur der 100-g- bzw. 100-ml-Wert macht Produkte wirklich miteinander vergleichbar.
Zucker- und Salzgehalt prüfen: Wichtig ist es, einen Blick auf die Zeilen „davon Zucker“ und „Salz“ zu werfen. Die Angaben helfen, Produkte besser einzuordnen. So erkennst du versteckte Geschmacksträger und mögliche Fallen wie beispielsweise stark gesüßte Müslis oder Fertigsaucen.
Portionsgrößen realistisch einschätzen: Die vom Hersteller vorgeschlagene Portionsgröße (z. B. 30 g Cornflakes) weicht oft stark von der Menge ab, die man tatsächlich auf den Teller packt. Rechne die Werte im Kopf kurz auf deinen realen Verzehr hoch.
Nutri-Score richtig nutzen: Verwende die farbige Skala von A bis E nur, um Produkte innerhalb derselben Kategorie zu vergleichen – zum Beispiel einen Fruchtjoghurt mit einem anderen Fruchtjoghurt. Ein Vergleich zwischen Olivenöl und Cola ist nicht sinnvoll.
Qualität der Fette prüfen: Nicht nur der Gesamtfettgehalt ist wichtig, sondern auch ein Blick auf den Anteil der gesättigten Fettsäuren zählt.
Häufig gestellte Fragen zu Nährwerten.
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Fußnoten
¹Lebenmittelinformationsordnung (LMIV)
https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:02011R1169-20180101&qid=1568895111781&from=DE
²Bundeszentrum für Ernährung
https://www.bzfe.de/essen-und-gesundheit/naehrstoffe/kohlenhydrate
³Die Zuckerverbände
https://www.zuckerverbaende.de/zucker-und-ernaehrung/produkt-zucker/kennzeichnung-in-lebensmitteln/
⁴Nährwertrechner
https://www.naehrwertrechner.de/naehrwerttabelle/
⁵Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V.
https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/energie/
Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische oder gesundheitliche Beratung.
