Der Gemüsetrend: Regrowing.

Frau stellt Wurzelreste von Frühlingszwiebeln in ein Wasserglas.

Lesezeit: 9 Minuten

Gemüse auf der Fensterbank nachziehen.

Beim Regrowing werden aus Gemüseresten neue Pflänzchen gezogen und weiterverarbeitet. Das Gemüse darf dabei weder schimmelig sein noch einen beschädigten Blattansatz haben. Wir erklären dir in unserem Ratgeber Schritt für Schritt, wie Regrowing funktioniert. So kannst du Lebensmittelreste verwerten und aus vermeintlichen Abfällen neue Pflanzen nachwachsen lassen.

Was versteht man unter Regrowing?

Wusstest du, dass du neben Küchenkräutern auch kleine Pflänzchen aus Gemüserestenziehen kannst? Diese Anzucht von Gemüseresten nennt sich Regrowing. Der Begriff stammt aus dem Englischen und lässt sich mit „nachwachsen“ übersetzen. Der Trend existiert bereits seit Großmutters Zeiten und war eine gängige Art und Weise, um alles aus dem Gemüse in der Küche herauszuholen. Besonders gut zum Regrowing eignen sich Möhren, Zwiebeln, Porree, Salat, Chinakohl und Pak Choi.  Das Grundprinzip ist hier immer gleich: Du stellst den Gemüserest ins Wasser und wartest, bis dieser neue Wurzeln bildet. Währenddessen fängt das Pflänzchen bereits an, nachzuwachsen. Nach spätestens zwei Wochen kannst du es dann in die Erde setzen.

Regrowing Schritt für Schritt

  1. Den geeigneten Gemüseabschnitt auswählen: Verwende Strünke, Wurzelansätze oder Knollen mit gesunden Austriebsstellen.
  2. In ein Gefäß mit Wasser stellen: Ein Glas oder Wasserglas eignet sich besonders gut, da sich so die Wurzelbildung beobachten lässt.
  3. Wasser regelmäßig wechseln: Damit sich keine Bakterien oder Schimmel bilden, sollte das Wasser alle ein bis zwei Tage erneuert werden.
  4. Wurzeln wachsen lassen: Je nach Gemüsesorte dauert dies wenige Tage bis mehrere Wochen.
  5. In Erde einpflanzen: Sobald kräftige Wurzeln entstanden sind, kannst du die Pflanze in einen Topf mit Erde umsetzen.  
Fensterbank, auf der ein Glas mit Wasser steht, in dem Lauchwurzeln nachgezogen werden.
Ein Stück nachgezogener Sellerie auf einem weißen Teller.

Regrowing von Kohl-, Stängel- und Blattgemüse.

Ob Pak Choi, Chinakohl, Staudensellerie oder Mangold: Diese Gemüsesorten eignen sich hervorragend fürs Regrowing. Schneide hierbei den Strunkansatz großzügig ab, ohne das Herz der Pflanze zu verletzen.  Stelle ihn auf einer hellen Fensterbank ins Wasser, das du dann  regelmäßig wechselst. Ziemlich schnell werden die inneren Stiele wieder anfangen zu wachsen, während der Strunk neue Wurzeln bildet. Sobald diese einen Zentimeter lang sind, kannst du das Pflänzchen in die Erde setzen. Das Gemüse wird nicht die volle Größe der ursprünglichen Pflanze erreichen, kann aber je nach Pflege noch sehr ertragreich sein.  Vor allem bei Pak Choi und Chinakohl zeigen sich häufig bereits nach wenigen Tagen erste Erfolge.

Beachte, dass du die Pflanze nach dem Einpflanzen regelmäßig gießen musst. Zudem fördert ein sonniger bis halbschattiger Standort das Wachstum.

Blattgemüse nachziehen.

Auch Salate sind hervorragende Regrowing-Kandidaten für deine Fensterbank. Egal, ob Romana-, Pflück- oder Eisbergsalat: Entferne die äußeren Salatblätter um das Salatherz herum und stelle dieses ins Wasser, das dann täglich gewechselt wird. Dabei sollte nur der Strunkansatz in der Flüssigkeit stehen, denn die Salatblätter fangen sonst schnell an zu faulen. Von innen werden sich neue, zarte Salatblätter herausbilden. Sobald der Strunk kräftige Wurzeln gebildet hat, kannst du den Salat in die Erde setzen. Da Salate aus dem Supermarkt meist sehr kurz geschnitten sind, ist es auch eine Glückssache, ob sich genügend Wurzeln ausbilden.  Besonders gut geeignet sind Romana-Salat und andere Sorten mit ausgeprägtem Strunk.

Nachgewachsene Blätter sind zwar oft kleiner als beim ursprünglichen Salat, können aber problemlos geerntet werden.

Drei Gläser mit Salaten die auf einer Fensterbank nachgezogen werden.
Ein Feld mit Champignons die nachgezogen werden.

Pilze daheim nachziehen.

Das Regrowing von Speisepilzen funktioniert mit ihren Stielen. Diese werden in die Erde gesetzt und bis auf die Spitze vollständig bedeckt. Am wohlsten fühlen sie sich bei hoher Luftfeuchtigkeit und einer Temperatur zwischen 12 und 25 Grad. Champignons benötigen kaum Sonnenlicht, alle anderen Pilzsorten sind auf der sonnigen Fensterbank am besten aufgehoben. Nach nur wenigen Tagen haben sich bereits die ersten Pilze ausgebildet, die du direkt ernten kannst.

Regrowing von Wurzelgemüsen.

Von Pastinaken über Rettich, Knollensellerie und Wurzelpetersilie bis zu Karotten eignet sich Wurzelgemüse gut zum Regrowing. Hierbei gibt es jedoch eine Besonderheit: Beim Nachziehen wachsen nur die Blätter nach, nicht der Fruchtkörper. Da diese sowohl essbar als auch äußerst aromatisch sind, lohnt sich das Nachziehen dieser Pflanzen trotzdem. Zum Beispiel lassen sich Karottenblätter für Pesto, Suppen oder Salate verwenden. Rettich- und Radieschenblätter kannst du auf die gleiche Weise gewinnen. So können selbst Gemüsereste genutzt werden, die sonst schnell im Biomüll landen würden. Schneide den Fruchtkörper etwa drei Zentimeter unter dem Blattabsatz ab und lege ihn ins Wasser. Bei täglichem Wasserwechsel beginnen die Blätter bereits nach wenigen Tagen nachzuwachsen. Hat das Gemüse neue Wurzeln ausgebildet, kannst du es in die Erde setzen.

Auf einem weißen Teller ist der abgeschnittene Strunk eines Wurzelgemüses zu sehen, aus dem grünes Blattwerk wächst.
Zwiebel mit Wurzeln im Glas mit Wasser auf dem Küchentisch

Lauchgewächse nachziehen.

Porree, Knoblauch oder Frühlingszwiebeln sind zum Regrowing wie gemacht. Denn Lauch wird meist mit Wurzeln verkauft und nimmt so viel besser Wasser auf. Das Vorgehen hier ist dem Regrowing der anderen Gemüsesorten gleich. Schneide den Wurzelansatz großzügig ab und stelle ihn ins Wasser. Die Pflanze wird anfangen, von innen nachzuwachsen. Bei Zwiebeln oder Knoblauch wählst du bereits ausgetriebene Exemplare. Diese setzt du direkt in die Erde und gießt sie regelmäßig. Kurze Zeit später treibt dann das Lauchgrün aus, das ebenfalls essbar ist.

Frühlingszwiebeln nachziehen

Frühlingszwiebeln sind ein echter Klassiker beim Regrowing. Schneide sie etwa drei bis fünf Zentimeter oberhalb der Wurzeln ab und stelle den unteren Teil in ein Wasserglas. Nach wenigen Tagen beginnt der grüne Lauch bereits nachzuwachsen. Wenn die Wurzeln kräftig genug sind, kannst du die Frühlingszwiebeln in einen Topf mit Erde einpflanzen. Sie wachsen oft über mehrere Ernten hinweg weiter.

Selbstversorgung durch Nachziehen von Gemüse?

Wie du siehst, musst du nicht direkt ein Gemüsebeet anlegen. Teste Regrowing, um Gemüsereste weiterzuverwenden und neue Pflanzen daraus zu ziehen. Die Betreuung der nachgezogenen Pflanzen ist allerdings recht aufwendig, da sie täglich umsorgt werden müssen. Regrowing ist eher eine Ergänzung als eine hauptsächliche Nahrungsversorgung, da aus dem nachgezogenen Gemüse längst nicht so viel nachwächst wie beim Anbau selbst. Das Regrowing von Ingwer, Süßkartoffeln oder auch Obst wie Ananas ist eher für Fortgeschrittene geeignet. Die Anzucht dieser Pflanzen erfordert viel Geschick und oft etwas Glück.

Ingwer nachziehen

Um Ingwer nachzuziehen, brauchst du ein frisches Stück Ingwerknolle. Diese muss bereits sichtbare Austriebspunkte haben. Setze sie direkt in die Erde und bedecke sie leicht mit Substrat. An einem warmen Standort bilden sich nach einiger Zeit neue Triebe und Wurzeln.

Weitere Gemüsesorten: Was funktioniert und was eher nicht?

Gemüsesorte
Eignet sich für Regrowing?
Kurz erklärt
GurkeEher neinAus Gurkenresten wächst keine neue Gurke. Möglich ist nur die Aussaat über Kerne.
KohlrabiTeilweiseBei intaktem Herz wachsen neue Blätter nach, aber keine neue Knolle.
PaprikaEher neinKlassisches Regrowing klappt nicht, die Samen können aber ausgesät werden.
KnoblauchJaDie ausgetriebenen Zehen werden direkt in die Erde gesetzt. Es wächst frisches Knoblauchgrün nach.
AvocadoEher neinAus dem Kern entsteht eine Zimmerpflanze, aber meist keine Ernte.

Welche Vorteile bietet Regrowing wirklich?

Vor allem ermöglicht Regrowing die Weiterverwendung bestimmter Gemüseteile. Zudem kann dies den Wert von Lebensmitteln stärker ins Bewusstsein rücken. Allerdings ersetzt das Nachziehen von Gemüse nicht den klassischen Gemüseanbau.

Clevere Rezeptideen.

Nachgewachsene Blätter und Triebe lassen sich vielseitig verwenden. Zum Beispiel verfeinern Frühlingszwiebeln Salate und Dips, während junge Salatblätter direkt als Beilage serviert werden können. So lässt sich Regrowing mit kreativer Resteverwertung in der Küche kombinieren.

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Häufige Fragen zu Regrowing.

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